Relativsätze sind Nebensätze, die ein Nomen genauer beschreiben. Sie beginnen mit einem Relativpronomen (zum Beispiel der, die, das) und stehen direkt hinter dem Nomen, das sie erklären. Das konjugierte Verb steht am Ende des Relativsatzes, und der ganze Satz wird mit Komma abgetrennt. Beispiel: Das ist der Mann, der neben mir wohnt.
Das Relativpronomen richtet sich in Genus (männlich, weiblich, sächlich) und Numerus (Singular, Plural) nach dem Nomen. Den Kasus (Nominativ, Akkusativ, Dativ, Genitiv) bestimmt aber die Funktion im Relativsatz selbst. In diesem Ratgeber bekommst du die komplette Tabelle, den Satzbau und die schwierige Verbindung aus Präposition plus Relativpronomen, alles mit Beispielen.
- Relativsätze beschreiben ein Nomen genauer, beginnen mit einem Relativpronomen und sind immer Nebensätze mit Verb am Ende.
- Genus und Numerus kommen vom Bezugswort, den Kasus bestimmt die Funktion des Pronomens im Relativsatz.
- Die Relativpronomen sind fast wie der bestimmte Artikel, nur denen, dessen und deren weichen ab.
- Der Relativsatz wird immer mit Komma abgetrennt, im Deutschen ohne Ausnahme.
- Verlangt das Verb eine Präposition, steht sie vor dem Relativpronomen, nie am Satzende.
Relativsätze: Was ist ein Relativsatz?
Ein Relativsatz gibt zusätzliche Informationen über ein Nomen. Er antwortet auf die stille Frage Welcher? Welche? Welches? Statt zwei kurze Sätze zu sprechen, verbindest du sie zu einem.
Zwei Sätze: Ich kenne eine Frau. Die Frau spricht fünf Sprachen.
Ein Satz mit Relativsatz: Ich kenne eine Frau, die fünf Sprachen spricht.
Der Relativsatz ist immer ein Nebensatz. Das hat zwei klare Folgen für den Satzbau:
- Das konjugierte Verb rutscht ans Satzende.
- Der Relativsatz wird mit Komma vom Hauptsatz getrennt.
Das Nomen, das beschrieben wird, heißt Bezugswort. Im Beispiel oben ist das eine Frau.
Die Relativpronomen-Tabelle
Das wichtigste Relativpronomen ist fast identisch mit dem bestimmten Artikel (der, die, das). Es gibt nur zwei Ausnahmen, an denen du genau hinschauen musst: der Dativ Plural (denen) und der ganze Genitiv (dessen, deren). Hier die komplette Übersicht:
| Kasus | Maskulin | Feminin | Neutrum | Plural |
|---|---|---|---|---|
| Nominativ | der | die | das | die |
| Akkusativ | den | die | das | die |
| Dativ | dem | der | dem | denen |
| Genitiv | dessen | deren | dessen | deren |
Merke dir: Nur vier Formen weichen vom normalen Artikel ab. Wenn du die kennst (denen, dessen, deren), hast du die Tabelle im Griff.
So findest du den richtigen Kasus
Das ist der Punkt, an dem die meisten Lernenden hängen bleiben. Zwei Dinge entscheiden über die Form des Relativpronomens, und sie kommen aus zwei verschiedenen Sätzen:
- Genus und Numerus kommen vom Bezugswort im Hauptsatz. Ist es der Mann, brauchst du eine maskuline Form.
- Der Kasus kommt aus dem Relativsatz. Du fragst dich: Welche Funktion hat das Pronomen im Relativsatz?
So gehst du Schritt für Schritt vor:
- Suche das Bezugswort und merke dir Genus und Numerus.
- Bilde den Relativsatz als eigenen, vollständigen Satz.
- Frage, in welchem Kasus das Pronomen in diesem Satz steht.
Beispiel: Das ist der Kollege, dem ich das Buch gegeben habe.
- Bezugswort: der Kollege, also maskulin Singular.
- Eigener Satz: Ich habe dem Kollegen das Buch gegeben.
- geben verlangt hier Dativ. Maskulin Dativ ist dem.
Vergleiche drei Sätze mit demselben Bezugswort, aber unterschiedlichem Kasus:
| Satz | Funktion im Relativsatz | Pronomen |
|---|---|---|
| Der Mann, der dort steht, ist mein Chef. | Subjekt (Nominativ) | der |
| Der Mann, den ich gestern traf, ist mein Chef. | Objekt (Akkusativ) | den |
| Der Mann, dem ich helfe, ist mein Chef. | Dativobjekt | dem |
Der Satzbau im Relativsatz
Im Relativsatz steht das konjugierte Verb immer am Ende. Das Relativpronomen leitet den Satz ein, danach folgt der Rest, und ganz hinten kommt das Verb.
Ich lese ein Buch, das mir meine Schwester empfohlen hat.
Bei trennbaren Verben bleibt das Verb am Satzende zusammen: Das ist der Zug, der um acht Uhr abfährt.
Der Relativsatz steht direkt hinter dem Bezugswort. Manchmal landet er deshalb mitten im Hauptsatz und schiebt den Rest des Hauptsatzes nach hinten:
Die Frau, die nebenan wohnt, arbeitet als Ärztin.
Hier steht der Relativsatz zwischen Subjekt und Verb des Hauptsatzes. Wichtig: Vor und nach dem Relativsatz steht je ein Komma. Diese Kommas sind im Deutschen Pflicht, anders als im Englischen, wo sie manchmal wegfallen.
Präposition plus Relativpronomen
Wenn das Verb oder ein Ausdruck im Relativsatz eine Präposition verlangt, steht diese Präposition vor dem Relativpronomen. Die Präposition bestimmt dann den Kasus.
Verb mit Präposition: warten auf (+ Akkusativ).
Das ist der Bus, auf den ich warte.
Weitere Beispiele mit verschiedenen Präpositionen und Kasus:
| Ausdruck | Kasus | Beispielsatz |
|---|---|---|
| sprechen mit | Dativ | Die Frau, mit der ich spreche, ist meine Lehrerin. |
| denken an | Akkusativ | Das Projekt, an das ich denke, ist neu. |
| Angst vor | Dativ | Der Hund, vor dem ich Angst habe, ist groß. |
| Grund für | Akkusativ | Der Grund, für den wir kämpfen, ist wichtig. |
Achtung: Die Präposition steht im Deutschen nie am Satzende. Sätze wie der Bus, den ich warte auf sind falsch. Richtig ist immer: Präposition direkt vor dem Relativpronomen.
Bei Orten und Sachen kannst du oft wo oder wo plus Konsonant (wofür, womit, worauf) nutzen. Die Stadt, wo ich wohne klingt natürlicher als in der ich wohne, beides ist aber korrekt.
Häufige Fehler und wie du sie vermeidest
Diese vier Fehler tauchen am häufigsten auf. Wenn du sie kennst, sparst du dir viele Korrekturen:
| Fehler | Falsch | Richtig |
|---|---|---|
| Komma vergessen | Das ist der Mann der hier wohnt. | Das ist der Mann, der hier wohnt. |
| Verb nicht am Ende | Das Buch, das ich habe gelesen, ist gut. | Das Buch, das ich gelesen habe, ist gut. |
| Dativ Plural falsch | Die Leute, die ich helfe, danken mir. | Die Leute, denen ich helfe, danken mir. |
| Präposition am Ende | Der Stift, den ich schreibe mit. | Der Stift, mit dem ich schreibe. |
Eselsbrücke für den Kasus: Mach aus dem Relativsatz einen normalen Hauptsatz und ersetze das Pronomen durch das Bezugswort. Die Leute, denen ich helfe wird zu Ich helfe den Leuten. helfen braucht Dativ, also denen.
Wenn du den Kasus systematisch üben willst, lohnt sich ein strukturierter Kurs. Im B1-Kurs trainierst du Relativsätze mit vielen Aufgaben, eine Übersicht aller Stufen findest du in der Kursübersicht.
Häufige Fragen
Wann benutzt man der, die oder das im Relativsatz?
Genus und Numerus bestimmt das Bezugswort: der Mann führt zu einer maskulinen Form, die Frau zu einer femininen, das Kind zu einer neutralen. Den Kasus (Nominativ, Akkusativ, Dativ, Genitiv) bestimmt die Funktion des Pronomens im Relativsatz selbst. Beispiel: Das ist der Mann, den ich kenne. der Mann ist maskulin, im Relativsatz ist es Akkusativobjekt, also den.
Steht im Relativsatz immer ein Komma?
Ja. Im Deutschen wird der Relativsatz immer mit Komma vom Hauptsatz getrennt. Steht der Relativsatz mitten im Satz, setzt du vor und nach ihm je ein Komma: Die Frau, die nebenan wohnt, ist Ärztin. Anders als im Englischen ist das Komma hier Pflicht.
Wo steht das Verb im Relativsatz?
Das konjugierte Verb steht am Ende des Relativsatzes, weil der Relativsatz ein Nebensatz ist. Beispiel: Ich lese ein Buch, das mir meine Schwester empfohlen hat. Bei Perfekt oder Modalverben steht der ganze Verbteil hinten zusammen.
Wie verbindet man eine Präposition mit einem Relativpronomen?
Die Präposition steht vor dem Relativpronomen, nie am Satzende. Die Präposition bestimmt den Kasus. Beispiel: Das ist der Bus, auf den ich warte (warten auf plus Akkusativ). Bei Orten geht oft auch wo: die Stadt, wo ich wohne.
Was ist der Unterschied zwischen dem, denen und deren?
dem ist Dativ Singular maskulin oder neutrum (der Mann, dem ich helfe). denen ist Dativ Plural (die Leute, denen ich helfe). deren ist Genitiv feminin oder Plural (die Frau, deren Auto kaputt ist). Diese Formen weichen vom normalen Artikel ab und werden oft verwechselt.
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