Indirekte Rede mit Konjunktiv I richtig benutzen

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Die indirekte Rede gibst du wieder, was eine andere Person gesagt hat, ohne ihre Worte direkt zu zitieren. Dafür benutzt du im Deutschen den Konjunktiv I. Du bildest ihn aus dem Wortstamm des Verbs plus den Endungen -e, -est, -e, -en, -et, -en. Beispiel: Er sagt, er habe keine Zeit.

Wenn die Konjunktiv-I-Form genauso aussieht wie der Indikativ (also die normale Form), ersetzt du sie durch den Konjunktiv II. Beispiel: Sie sagen, sie hätten keine Zeit. Wie das genau funktioniert, zeigt dir dieser Artikel Schritt für Schritt.

Das Wichtigste in Kürze

  • Konjunktiv I bildest du aus dem Verbstamm plus den Endungen -e, -est, -e, -en, -et, -en. Der Vokalwechsel fällt weg: er fahre, nicht er fähre.
  • Die Form er/sie/es auf -e ist am wichtigsten, weil du in Berichten meist über andere sprichst.
  • Sieht der Konjunktiv I aus wie der Indikativ (oft im Plural), nimmst du den Konjunktiv II als Ersatz: sie hätten, sie gingen.
  • sein ist unregelmäßig: er sei, sie seien. Diese Formen brauchst du sehr oft.
  • In der indirekten Rede gibt es nur drei Zeitstufen. Alle Vergangenheitsformen werden zum Konjunktiv I Perfekt: er habe gearbeitet, er sei gegangen.
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Was ist die indirekte Rede und wofür brauchst du sie?

Bei der direkten Rede zitierst du die genauen Worte einer Person. Sie stehen in Anführungszeichen.

  • Direkte Rede: Anna sagt: “Ich bin müde.“
  • Indirekte Rede: Anna sagt, sie sei müde.

Die indirekte Rede zeigt, dass du fremde Aussagen wiedergibst und dich davon distanzierst. Du benutzt sie vor allem in der geschriebenen Sprache, in Nachrichten, in Berichten und in formellen Texten. In der gesprochenen Alltagssprache nehmen viele Deutsche stattdessen den Indikativ mit dass (Anna sagt, dass sie müde ist). In Prüfungen und in geschriebenen Texten erwartet man aber den Konjunktiv I.

Konjunktiv I bilden: Stamm plus feste Endungen

Den Konjunktiv I bildest du immer gleich. Du nimmst den Stamm des Verbs aus dem Infinitiv und hängst feste Endungen an. Der Stamm von gehen ist geh-, der Stamm von kommen ist komm-.

Person Endung Beispiel (gehen) Beispiel (haben)
ich -e ich gehe ich habe
du -est du gehest du habest
er/sie/es -e er gehe sie habe
wir -en wir gehen wir haben
ihr -et ihr gehet ihr habet
sie/Sie -en sie gehen sie haben

Wichtig: Diese Endungen gelten für alle Verben gleich, auch für starke und unregelmäßige. Der Stamm bleibt unverändert. Du sagst also er gehe (nicht er gehe mit Umlaut), er fahre (nicht er fähre), er nehme (nicht er nehme mit Vokalwechsel). Der Vokalwechsel der 2. und 3. Person Singular fällt im Konjunktiv I weg.

Illustration: Eine Reporterin notiert, was ihr Gesprächspartner sagt.

Die wichtigste Form: er/sie/es

In der indirekten Rede berichtest du fast immer über eine dritte Person. Darum ist die Form er/sie/es mit der Endung -e am häufigsten. Diese Form musst du sicher können.

Infinitiv Konjunktiv I (er/sie/es) Beispielsatz
gehen er gehe Er sagt, er gehe nach Hause.
kommen sie komme Sie sagt, sie komme später.
haben er habe Er meint, er habe recht.
werden es werde Man sagt, es werde kalt.
können sie könne Sie sagt, sie könne nicht kommen.
müssen er müsse Er sagt, er müsse arbeiten.
wissen sie wisse Sie behauptet, sie wisse nichts.

Eselsbrücke: Bei er/sie/es endet der Konjunktiv I immer auf -e. Im Indikativ endet er auf -t (er geht, er kommt, er hat). Wenn du also ein -e statt -t hörst, ist es Konjunktiv I.

Das Verb sein: die wichtigste Ausnahme

Das Verb sein ist unregelmäßig und sehr häufig. Du solltest seine Formen auswendig kennen, denn hier fällt bei ich und er/sie/es die Endung -e weg.

Person Konjunktiv I von sein Beispiel
ich ich sei Ich sagte, ich sei krank.
du du seist Du sagtest, du seist bereit.
er/sie/es er sei Er sagt, er sei müde.
wir wir seien Wir sagten, wir seien fertig.
ihr ihr seiet Ihr sagtet, ihr seiet zufrieden.
sie/Sie sie seien Sie sagen, sie seien glücklich.

Achte besonders auf er sei und sie seien. Diese beiden Formen brauchst du sehr oft, weil du in Berichten meist über andere sprichst.

Wann du Konjunktiv II als Ersatz nimmst

Manchmal sieht der Konjunktiv I genauso aus wie der Indikativ. Dann erkennt der Leser nicht, dass es indirekte Rede ist. In diesem Fall benutzt du den Konjunktiv II als Ersatz.

Das passiert vor allem im Plural (wir, sie/Sie) und bei ich, weil dort der Konjunktiv I oft mit dem Indikativ identisch ist.

Person Indikativ Konjunktiv I gleich? Ersatz (Konjunktiv II)
er/sie/es geht geht gehe nein, klar kein Ersatz nötig
sie (Plural) gehen gehen gehen ja, identisch sie gingen
wir kommen kommen kommen ja, identisch wir kämen
ich habe habe habe ja, identisch ich hätte

Beispiele im Satz:

  • Richtig: Sie sagen, sie hätten keine Zeit. (nicht: sie haben)
  • Richtig: Die Kinder erzählen, sie gingen gern in die Schule. (nicht: sie gehen)
  • Richtig: Ich sagte, ich hätte das nicht gewusst.

Merksatz: Erst Konjunktiv I bilden. Sieht er aus wie der Indikativ, nimm den Konjunktiv II. Ist auch der Konjunktiv II mit dem Indikativ identisch (selten), nimm die Form würde plus Infinitiv (sie würden gehen).

Zeitverschiebung: Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft

In der indirekten Rede gibt es nur drei Zeitstufen, nicht sechs. Du musst die Zeit der direkten Rede in eine dieser drei Stufen umwandeln.

Direkte Rede (Zeit) Indirekte Rede Beispiel
Gegenwart (Präsens) Konjunktiv I Präsens “Ich arbeite.” → Er sagt, er arbeite.
Vergangenheit (Perfekt, Präteritum, Plusquamperfekt) Konjunktiv I Perfekt “Ich arbeitete.” / “Ich habe gearbeitet.” → Er sagt, er habe gearbeitet.
Zukunft (Futur) Konjunktiv I Futur “Ich werde arbeiten.” → Er sagt, er werde arbeiten.

Wichtig ist: Alle drei Vergangenheitsformen der direkten Rede werden in der indirekten Rede zu einer einzigen Form, dem Konjunktiv I Perfekt (habe/sei plus Partizip II).

  • “Ich ging.” → Er sagt, er sei gegangen.
  • “Ich habe gegessen.” → Sie sagt, sie habe gegessen.
  • “Ich hatte geschlafen.” → Er sagt, er habe geschlafen.

Beim Perfekt entscheidet das Hilfsverb wie sonst auch: Bewegungs- und Zustandsverben nehmen sei (er sei gekommen), die meisten anderen nehmen habe (er habe gelesen).

Häufige Fehler und wie du sie vermeidest

Diese Fehler machen Deutschlernende besonders oft. Wenn du sie kennst, sparst du dir viele Punkte in der Prüfung.

Fehler Falsch Richtig
Vokalwechsel im Stamm Er sagt, er fähre nach Berlin. Er sagt, er fahre nach Berlin.
Indikativ im Plural Sie sagen, sie haben recht. Sie sagen, sie hätten recht.
Endung bei sein vergessen Er sagt, er seie krank. Er sagt, er sei krank.
falsche Vergangenheit Er sagt, er ging nach Hause. Er sagt, er sei nach Hause gegangen.
doppelte Verneinung mit dass Er sagt, dass er habe keine Zeit. Er sagt, er habe keine Zeit. (oder: dass er keine Zeit habe)

Zum letzten Punkt: Du kannst die indirekte Rede mit oder ohne dass bilden. Mit dass rutscht das Verb ans Satzende: Er sagt, dass er keine Zeit habe. Ohne dass bleibt die normale Wortstellung: Er sagt, er habe keine Zeit. Beides ist richtig, aber misch die zwei Strukturen nicht.

Willst du die indirekte Rede mit geführten Übungen trainieren, findest du sie im B1-Kurs. Einen Überblick über alle Niveaus gibt dir die Kursübersicht.

Häufige Fragen

Wann benutzt man Konjunktiv I und wann Konjunktiv II in der indirekten Rede?

Zuerst bildest du immer den Konjunktiv I. Wenn diese Form genauso aussieht wie der Indikativ (zum Beispiel im Plural: sie gehen), nimmst du stattdessen den Konjunktiv II (sie gingen). Sind auch Konjunktiv II und Indikativ identisch, nimmst du die Umschreibung mit würde plus Infinitiv (sie würden gehen).

Wie bilde ich den Konjunktiv I von sein?

Das Verb sein ist unregelmäßig: ich sei, du seist, er/sie/es sei, wir seien, ihr seiet, sie/Sie seien. Bei ich und er/sie/es fällt die Endung -e weg. Du sagst also er sei, nicht er seie.

Wie verschiebt sich die Zeit in der indirekten Rede?

Es gibt nur drei Zeitstufen. Gegenwart bleibt Gegenwart (er arbeite). Alle Vergangenheitsformen werden zum Konjunktiv I Perfekt (er habe gearbeitet, er sei gegangen). Zukunft wird Konjunktiv I Futur (er werde arbeiten).

Brauche ich in der indirekten Rede immer das Wort dass?

Nein. Du kannst die indirekte Rede mit oder ohne dass bilden. Ohne dass: Er sagt, er habe keine Zeit. Mit dass und Verb am Satzende: Er sagt, dass er keine Zeit habe. Beides ist korrekt, aber misch die beiden Strukturen nicht.

Warum heißt es er fahre und nicht er fähre?

Im Konjunktiv I fällt der Vokalwechsel der 2. und 3. Person Singular weg. Im Indikativ heißt es er fährt, aber im Konjunktiv I bleibt der Stamm unverändert: er fahre. Das gilt für alle starken Verben mit Vokalwechsel, zum Beispiel er nehme, er gebe, er lese.


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    ÜBER DIE VERFASSERIN
    Clara Munteanu, Deutschlehrerin, telc-Prüferin und Gründerin von Deutsch1

    Clara Munteanu

    Deutsch1

    Clara Munteanu widmet sich seit über einem Jahrzehnt mit Leidenschaft dem Deutschunterricht für Nicht-Muttersprachler. Geprägt von ihrer eigenen Einwanderungserfahrung und einem Studium der Sprachwissenschaften in Bonn, entwickelte sie effektive Lernmethoden, die Theorie und Praxis verbinden.

    Mit ihrer Plattform Deutsch1, ihren Kursen und Büchern hat sie Tausenden Menschen weltweit geholfen, sicher und mit Freude Deutsch zu lernen. Ihre Vision: Sprachbarrieren abbauen und Menschen durch Sprache neue Chancen eröffnen.