Das Passiv im Deutschen rückt die Handlung in den Mittelpunkt, nicht die Person, die sie ausführt. Du bildest das Vorgangspassiv mit werden + Partizip II (zum Beispiel: “Das Haus wird gebaut“). Das Zustandspassiv bildest du mit sein + Partizip II (zum Beispiel: “Das Haus ist gebaut“). Wer die Handlung ausführt, kannst du weglassen oder mit “von” beziehungsweise “durch” nennen.
In diesem Ratgeber lernst du, wann du welches Passiv brauchst, wie du es in allen Zeitformen bildest und welche Fehler du vermeiden solltest. Alle Beispiele sind grammatisch korrekt und nach Niveau sortiert.
- Vorgangspassiv = werden + Partizip II (die Handlung passiert). Zustandspassiv = sein + Partizip II (das Ergebnis bleibt).
- Im Passiv-Perfekt heißt es immer “worden“, nie “geworden“: Das Haus ist gebaut worden.
- Den Verursacher nennst du mit “von” (Person, Akteur) oder “durch” (Mittel, Ursache), oder du lässt ihn weg.
- Beim Wechsel vom Aktiv ins Passiv wird das Akkusativobjekt zum Subjekt.
- Verben mit Dativobjekt wie “helfen” bilden nur ein unpersönliches Passiv: Mir wird geholfen.

Was ist das Passiv und wozu brauchst du es?
Im Aktiv steht die handelnde Person im Vordergrund: Der Mechaniker repariert das Auto. Im Passiv ist die Handlung wichtig, nicht wer sie macht: Das Auto wird repariert.
Du brauchst das Passiv vor allem dann, wenn:
- die handelnde Person unbekannt ist: Mein Fahrrad wurde gestohlen.
- die Person unwichtig ist: Das Formular wird ausgefüllt.
- du sachlich und neutral klingen willst (oft in Anleitungen, Nachrichten, Behördentexten): Die Heizung wird jeden Herbst kontrolliert.
Beim Wechsel vom Aktiv ins Passiv wird das Akkusativobjekt zum Subjekt:
| Aktiv | Passiv |
|---|---|
| Der Lehrer korrigiert die Tests. | Die Tests werden korrigiert. |
| Anna kocht die Suppe. | Die Suppe wird gekocht. |
Vorgangspassiv: werden + Partizip II
Das Vorgangspassiv beschreibt eine Handlung, also einen Prozess, der gerade passiert oder passiert ist. Die Formel ist immer gleich:
konjugiertes “werden” + Partizip II am Satzende
| Person | Form von werden | Beispiel |
|---|---|---|
| ich | werde | Ich werde gefragt. |
| du | wirst | Du wirst gefragt. |
| er/sie/es | wird | Das Paket wird geliefert. |
| wir | werden | Wir werden informiert. |
| ihr | werdet | Ihr werdet abgeholt. |
| sie/Sie | werden | Die Briefe werden sortiert. |
Wichtig: Das Partizip II steht immer am Satzende und verändert sich nicht. Nur “werden” wird konjugiert.

Zustandspassiv: sein + Partizip II
Das Zustandspassiv beschreibt nicht die Handlung selbst, sondern das Ergebnis danach. Die Handlung ist schon vorbei, und ein neuer Zustand bleibt. Die Formel:
konjugiertes “sein” + Partizip II am Satzende
Der Unterschied ist leicht zu sehen, wenn du beide Formen direkt vergleichst:
| Vorgangspassiv (Prozess) | Zustandspassiv (Ergebnis) |
|---|---|
| Die Tür wird geschlossen. | Die Tür ist geschlossen. |
| Das Fenster wird geöffnet. | Das Fenster ist geöffnet. |
| Der Tisch wird gedeckt. | Der Tisch ist gedeckt. |
Eselsbrücke: “werden” = es passiert gerade. “sein” = es ist schon fertig. Wenn du dir das Ergebnis als Foto vorstellen kannst (die Tür steht zu), brauchst du das Zustandspassiv.
Passiv in allen Zeitformen
Das Vorgangspassiv funktioniert in jeder Zeitform. Du veränderst nur die Form von “werden“. In den Perfekt- und Plusquamperfekt-Formen benutzt du “worden” (nicht “geworden“). Hier alle Zeiten am Beispiel “das Auto reparieren“:
| Zeitform | Beispiel im Passiv |
|---|---|
| Präsens | Das Auto wird repariert. |
| Präteritum | Das Auto wurde repariert. |
| Perfekt | Das Auto ist repariert worden. |
| Plusquamperfekt | Das Auto war repariert worden. |
| Futur I | Das Auto wird repariert werden. |
Merke dir die Reihenfolge im Perfekt: erst das Partizip des Vollverbs (repariert), dann “worden“. Im Futur I stehen zwei Formen von “werden” im Satz, das ist korrekt: Das Auto wird repariert werden.
Mit Modalverben sieht das Passiv so aus: Das Auto muss repariert werden. Hier steht “werden” im Infinitiv am Ende.
Passiv mit und ohne Agens
Das Wort “Agens” bezeichnet die handelnde Person oder Sache. Im Passiv kannst du sie weglassen oder nennen. Das ist der große Vorteil des Passivs.
Ohne Agens (sehr häufig, weil neutral): Die Straße wird gesperrt.
Mit Agens nennst du den Verursacher mit zwei Präpositionen:
| Präposition | Verwendung | Beispiel |
|---|---|---|
| von + Dativ | Person oder aktiver Verursacher | Die Straße wird von der Stadt gesperrt. |
| durch + Akkusativ | Mittel, Ursache oder Vermittler | Die Straße wird durch ein Unwetter gesperrt. |
Faustregel: “von” für den Akteur (wer macht es), “durch” für das Mittel oder die Ursache (wodurch passiert es). Beispiel mit beidem: Der Brief wird vom Chef durch einen Boten geschickt.
Häufige Fehler beim Passiv
Diese Fehler tauchen bei Deutschlernenden besonders oft auf. Wenn du sie kennst, vermeidest du sie leichter.
- “geworden” statt “worden“: Falsch ist “Das Haus ist gebaut geworden“. Richtig: Das Haus ist gebaut worden. Im Passiv heißt das Partizip immer “worden“.
- Verben ohne Akkusativobjekt: Verben wie “helfen“, “danken” oder “gratulieren” haben ein Dativobjekt und bilden kein normales Passiv mit Subjekt. Man sagt: Mir wird geholfen. (nicht: “Ich werde geholfen“).
- Vorgangs- und Zustandspassiv verwechseln: “Das Geschäft ist geöffnet” beschreibt den Zustand (es hat offen). “Das Geschäft wird geöffnet” beschreibt den Moment des Aufschließens.
- Falsche Wortstellung: Das Partizip II und “werden” gehören ans Satzende. Falsch: “Das Auto wird werden repariert“. Richtig: Das Auto wird repariert werden.
Das Passiv ist eines der Themen, das in den B1- und B2-Prüfungen sicher vorkommt. Wenn du es systematisch üben willst, hilft dir der B1-Kurs. Einen Überblick über alle Niveaus findest du in der Kursübersicht.
Dieses Thema gehört zum Stoff auf Niveau B1. Im Online-Deutschkurs B1 übst du es Schritt für Schritt mit Erklärvideos, Arbeitsblättern und freiwilligen Hausaufgaben mit Feedback.
Häufige Fragen
Wie bildet man das Passiv im Deutschen?
Das Vorgangspassiv bildest du mit dem konjugierten Verb “werden” plus Partizip II am Satzende, zum Beispiel “Das Buch wird gelesen“. Das Zustandspassiv bildest du mit “sein” plus Partizip II, zum Beispiel “Das Buch ist gelesen“.
Was ist der Unterschied zwischen Vorgangspassiv und Zustandspassiv?
Das Vorgangspassiv (werden + Partizip II) beschreibt die Handlung selbst, also einen Prozess: “Die Tür wird geschlossen“. Das Zustandspassiv (sein + Partizip II) beschreibt das Ergebnis danach: “Die Tür ist geschlossen“.
Wann benutzt man von und wann durch im Passiv?
“Von” plus Dativ nennt die handelnde Person oder den aktiven Verursacher: “Der Brief wird von Anna geschrieben“. “Durch” plus Akkusativ nennt das Mittel oder die Ursache: “Das Fenster wurde durch den Sturm zerstört“.
Warum sagt man worden und nicht geworden im Passiv?
Im Passiv-Perfekt verliert “werden” als Hilfsverb die Vorsilbe “ge“. Deshalb heißt es “Das Auto ist repariert worden” und nicht “geworden“. “Geworden” benutzt du nur, wenn “werden” ein Vollverb ist, zum Beispiel “Er ist Arzt geworden“.
Kann man jedes Verb ins Passiv setzen?
Nein. Ein normales Passiv mit Subjekt brauchst du ein Akkusativobjekt. Verben mit Dativobjekt wie “helfen” oder “danken” bilden ein unpersönliches Passiv: “Mir wird geholfen“. Verben ohne Objekt wie “schlafen” bilden meist gar kein Passiv.
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